Grusswort zum Saisonprogramm, Mario Schwarz

Grusswort zum Saisonprogramm 2016/17: Mario Schwarz

Rückblick mit Freude: 42 Jahre CMO

Alles begann im Mai 1974, als ein Streicherensemble aus Musikstudenten in der damals neuen Aula der Kantonsschule Wattwil unter meiner Leitung ein erstes Konzert gab. Kurz darauf bildete sich diese Gruppe zu einem festen Ensemble, dem Musikkreis St. Mangen. Ab 1981 musizierte das Orchester unter dem Namen Musikkreis St. Gallen. Sieben Jahre danach wurde nochmals eine Umbenennung vorgenommen. Von diesem Zeitpunkt an nannte sich das Orchester "Collegium Musicum St. Gallen". Die letzte Namensangleichung fand im Jahre 2010 statt, infolge der Eingliederung von Chor und Orchester zum "Collegium Musicum Ostschweiz" (CMO).

In diesen 42 Jahren durfte ich viele sehr schöne Werke aufführen, mehr als 80 davon zusammen mit dem CMO als Uraufführung. Viele Komponisten haben Werke für das CMO geschrieben und diese dem Orchester oder mir persönlich gewidmet. Es ist erfreulich zu sehen, dass verschiedene dieser von uns uraufgeführten Werke auch andernorts auf der Welt dargeboten werden. Unsere Arbeit trägt Früchte und hinterlässt wichtige Spuren.

Dies kann man auch von unseren Erstaufführungen sagen. Das Oratorium "Jan Hus" von Carl Loewe wird heute oft in Deutschland dargeboten. Stolz sind wir auch darauf, dass wir das Violinkonzert von Heinrich von Herzogenberg zur Uraufführung bringen konnten.

Ich freue mich, dass ich jetzt meine Nachfolge einläuten kann. Nach 42 Jahren Orchesterarbeit darf ich eine gut funktionierende Konzertorganisation übergeben. Diese Konzert-Saison wird also meine letzte sein.

Erstmals werden wir nun ein Singwochenende im Kanton Graubünden durchführen können. Es haben sich schon mehr als 120 Sängerinnen und Sänger dafür angemeldet.

Besonders freue ich mich auf das Preisträgerkonzert im September mit den Gewinnerinnen des Österreichischen Musikwettbewerbs "Prima la musica". Leider konnten wir uns nicht mit den Kandidaten des Schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs in Verbindung setzen. Der Österreichische Musikwettbewerb hat für die Preisträger einen Sonderpreis eingerichtet. Diese Preisträger haben nun die Möglichkeit, sich mit dem CMO in einem Solokonzert zu profilieren!

Nebst dem Konzert zu Allerheiligen und dem Weihnachtssingen wird der Chor des CMO zwei wichtige Werke der Musikliteratur, die in den Klöstern Ottobeuren und Beromünster aufgefunden wurden, zur Erstaufführung bringen können. Besonders die Kantate "Dixit Dominus" von G.B. Pergolesi ist eine Sensation. Da das Autograph dieser Kantate auf der ganzen Welt nicht auffindbar ist,  mussten wir darum aus den Einzelstimmen zuerst die Partitur und anschliessend das Orchester- und das Chormaterial rekonstruieren. Als Verleger für diese Kantate konnten wir den Butz Verlag (Bonn, Deutschland) gewinnen.

Das 22. Singwochenende in der Kathedrale St. Gallen im Mai wird wohl das letzte sein im Rahmen des Bodenfestivals. Es war eine erfolgreiche Idee und wir werden damit diese schöne Tradition abschliessen.

Freuen Sie sich auch auf die Serenaden in den wunderschönen Innenhöfen in Rheineck, Fischingen und Arbon.

Es war eine wunderbare Zeit für mich. Viele Freundschaften haben sich über Jahre gebildet. Erlebnisreiche Konzerte konnten wir zusammen realisieren. Höhen und Tiefen haben wir gemeistert und mit unerschütterlichem Optimismus bewältigt. Ich bin allen von Herzen dankbar, die mich und meine Kulturarbeit all die Jahre stützend begleitet haben und noch werden. Ohne die Unterstützung von Sponsoren, Stiftungen, Gönnern und den vielen Helfern hätten wir dies alles nie realisieren können. Ich freue mich sehr auf meine letzte Saison.

Und deshalb ist ja die Musik diejenige Kunst, die am tiefsten und grossartigsten bewegt und erschüttert, weil sie sich eben nicht der Worte bedient, sondern der Töne. Und nicht nur dieser allein, sondern der Klänge, des Geheimnisvollsten, was wir auf Erden besitzen (Ernst Wiechert).

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie Musik neu erleben und erfahren. Ich würde mich sehr freuen, Sie bei den Konzerten begrüssen zu können.

Mario Schwarz
künstlerischer Leiter

St. Gallen, August 2016